Unterrichtsentwicklung

„Wir haben mehr Tiere als Schülerinnen und Schüler“

Das Wilhelm-Dörpfeld-Gymnasium in Wuppertal beherbergt mehr als 1.000 Tiere. Schulleiterin Claudia Schweizer-Motte über den Sinn und Zweck des Vivariums.

„Unser Schulgebäude wurde von 2016 bis 2019 general­saniert, weswegen wir als Schule zeitweise umziehen muss­ten. Das Vertrauen der Eltern in den Schulträger litt darunter, weil die Kinder einen umständlicheren Schul­weg auf sich nehmen mussten. In der Folge sanken auch die Anmelde­zahlen. Wir haben uns deswegen überlegt, wie wir unsere Schule wieder attraktiver ma­chen können. Wir waren zum dama­ligen Zeitpunkt dabei, eine ‚MINT-Exzel­lenz‘-Schule aufzubauen mit vielen tollen Angeboten für das Fach Physik. Aber Biologie hatte noch Potenzial. Und so entschieden wir uns 2016 dazu, ein Vivarium anzu­schaffen.

Das ist eine Tierhaltungsanlage, beste­hend aus Terrarien und Aquarien. Davon haben wir inzwischen 50 bis 60 Stück, bewohnt von 40 verschie­denen Tier­arten und ins­gesamt 1.000 Tieren. Wir haben mehr Tiere als Schüler­innen und Schüler. Darunter Säugetiere wie Wü­stenrenn­mäuse und Degus, Reptilien wie Bartagamen und Schlan­gen, Am­phibien wie Frösche und Axolotls sowie Fische und Insekten.

Für die Kinder ist das Vivarium ein rich­tiges Spektakel. In Arbeitsgruppen or­ganisiert, sind sie für die Tierpflege zu­ständig. Ab der 5. Klasse können sie sich für die Vi­va­riums-AG ‚Junge Hüpfer‘ anmelden und ab der 6. Klasse für die ‚Alten Hasen‘. Aktuell sind da 40 bis 50 Schüler­innen und Schüler enga­giert. Die älteren von ihnen lernen die jüngeren an. An den Wochen­enden und in den Ferien können die Kinder nicht ins Schulgebäude, zu den Zeiten kümmern fünf Kolleginnen und Kollegen sowie ich uns abwechselnd um die Tiere. Das Vivarium ist spendenfi­nan­ziert. Die Tiere haben wir teil­weise von anderen Schulen oder von der Natur­schutz­behörde bekommen. Einige von ihnen sind nämlich Fundtiere, die zuvor aus­gesetzt wurden. Natürlich prüft die Untere Naturschutz­behörde regel­mäßig, ob die Haltung der Tiere art­gerecht ist.

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Das Vivarium bietet den Kindern einen großen pädago­gischen Mehrwert: Das Kümmern um die Tiere stärkt das Ver­antwortungsbewusstsein und die Iden­tifikation mit der Schule. Und dank der Tiere ist der Biologieunterricht viel le­bendiger, das Gelernte bleibt besser in Erinnerung. Gerade in Zeiten der fort­schreitenden Digitalisierung brauchen Kinder die Begegnung mit dem Echten. Genau das gibt das Vivarium ihnen.“

Foto: © Claudia Schweizer-Motte

Claudia Schweizer-Motte ist seit 14 Jahren Schul­leiterin des Wilhelm-Dörpfeld-Gymnasiums in Wupper­tal. Zuvor war sie als stell­vertretende Schul­leiterin, Schulin­spek­torin und Lehrerin tätig.

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