„Unser Schulgebäude wurde von 2016 bis 2019 generalsaniert, weswegen wir als Schule zeitweise umziehen mussten. Das Vertrauen der Eltern in den Schulträger litt darunter, weil die Kinder einen umständlicheren Schulweg auf sich nehmen mussten. In der Folge sanken auch die Anmeldezahlen. Wir haben uns deswegen überlegt, wie wir unsere Schule wieder attraktiver machen können. Wir waren zum damaligen Zeitpunkt dabei, eine ‚MINT-Exzellenz‘-Schule aufzubauen mit vielen tollen Angeboten für das Fach Physik. Aber Biologie hatte noch Potenzial. Und so entschieden wir uns 2016 dazu, ein Vivarium anzuschaffen.
Das ist eine Tierhaltungsanlage, bestehend aus Terrarien und Aquarien. Davon haben wir inzwischen 50 bis 60 Stück, bewohnt von 40 verschiedenen Tierarten und insgesamt 1.000 Tieren. Wir haben mehr Tiere als Schülerinnen und Schüler. Darunter Säugetiere wie Wüstenrennmäuse und Degus, Reptilien wie Bartagamen und Schlangen, Amphibien wie Frösche und Axolotls sowie Fische und Insekten.
Für die Kinder ist das Vivarium ein richtiges Spektakel. In Arbeitsgruppen organisiert, sind sie für die Tierpflege zuständig. Ab der 5. Klasse können sie sich für die Vivariums-AG ‚Junge Hüpfer‘ anmelden und ab der 6. Klasse für die ‚Alten Hasen‘. Aktuell sind da 40 bis 50 Schülerinnen und Schüler engagiert. Die älteren von ihnen lernen die jüngeren an. An den Wochenenden und in den Ferien können die Kinder nicht ins Schulgebäude, zu den Zeiten kümmern fünf Kolleginnen und Kollegen sowie ich uns abwechselnd um die Tiere. Das Vivarium ist spendenfinanziert. Die Tiere haben wir teilweise von anderen Schulen oder von der Naturschutzbehörde bekommen. Einige von ihnen sind nämlich Fundtiere, die zuvor ausgesetzt wurden. Natürlich prüft die Untere Naturschutzbehörde regelmäßig, ob die Haltung der Tiere artgerecht ist.
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Das Vivarium bietet den Kindern einen großen pädagogischen Mehrwert: Das Kümmern um die Tiere stärkt das Verantwortungsbewusstsein und die Identifikation mit der Schule. Und dank der Tiere ist der Biologieunterricht viel lebendiger, das Gelernte bleibt besser in Erinnerung. Gerade in Zeiten der fortschreitenden Digitalisierung brauchen Kinder die Begegnung mit dem Echten. Genau das gibt das Vivarium ihnen.“
Claudia Schweizer-Motte ist seit 14 Jahren Schulleiterin des Wilhelm-Dörpfeld-Gymnasiums in Wuppertal. Zuvor war sie als stellvertretende Schulleiterin, Schulinspektorin und Lehrerin tätig.


