Lieblingsorte

Linda Onken, Konrektorin am Familiengrundschul­zentrum Sonnenstraße in Düsseldorf, vor dem Bauwagen.

Nah an den Kindern und den Familien dran zu sein: Das ist der Konrektorin des Familiengrundschul­zentrums Sonnenstraße in Düssel­dorf-Oberbilk besonders wichtig. Auf dem Schulhof hat Linda Onken dafür einen beson­deren Lieblings­platz: den Bauwagen. „Dieser Ort unter Schatten spen­den­den Bäumen ist einfach das kommuni­kative Herzstück und das Zentrum unserer Schule“, sagt Onken. Auf der Bank vor dem Bauwagen sitzt sie gerne gemein­sam mit den Kindern, manch­mal zieht sie sich dorthin auch zum Arbeiten zurück. Morgens vor dem Unterricht kommt Onken an ihrem Lieblingsort außerdem mit den Eltern locker und unkompliziert ins Ge­spräch. Onken: „Wir versuchen, Schule so zu gestalten, dass sich alle wohl­fühlen können. Der Bau­wagen ist einfach ein idyllisches Plätzchen.“

Ben Bramlage, Schulleiter an der Grundschule Vörden, im offenen Lernraum.

Ben Bramlage hätte den Schulhof oder die Gemüsebeete der Grund­schule Vörden nennen können. Sein Lieblings­ort ist jedoch ein moderner Lernraum im neuen Schultrakt. „Wir wussten da­mals sehr genau, was wir für unser Unterrichtskonzept brau­chen“, er­zählt der Schulleiter. Seine Ideen und das große Enga­gement des Kollegiums so­wie die gute Zu­sammenarbeit mit dem Schulträger haben sich ausgezahlt: „Die hellen, offenen und flexiblen Räu­me passen zum jahrgangs­übergreifen­den Unter­richt“, sagt Bramlage. Und sie zei­gen, was entstehen kann, wenn Schulen ihre Zukunft mitgestalten dürfen.

Linda Ried-Ackermann, Schulleiterin der Ganztagsgrundschule Völklingen/Heidstock-Luisenthal, in ihrem Büro.

Hier findet alles statt – von Fragen nach Toilettenpapier über Pausen­klatsch mit Ko­lleginnen und Kollegen, Arbeitstreffen bis hin zu tränen­reichen Konfliktgesprächen. Die Tür von Linda Ried-Ackermanns Büro in der Ganztagsschule Völk­lingen­/ Heidstock-Luisenthal steht fast immer offen. „Damit jede und jeder rein­kommen und ich alles im Blick haben kann“, sagt die Schul­leiterin, die ihren Lieblingsraum mit vielen bunten Dingen persönlich ge­staltet hat. An den Wänden hängen Post­karten, Fotos, Zeich­nungen und Sprüche, überall finden sich farben­frohe Boxen und kleine Dekoartikel. „Ich möchte, dass nicht nur ich mich in meinem Büro wohlfühle, sondern dass jede und jeder, die oder der zu mir kommt, hier etwas zum Wohl­fühlen findet und sich willkommen fühlt.“ Das kann das kleine Sofa mit den vielen Kissen sein, eine pass­ende Botschaft an der Wand – oder, bei Be­darf, eben die gro­ße Box mit Taschen­tüchern.

Robin Simon, Leiter des Familiengrundschulzentrums GGS Hochfelder Markt in Duisburg, im Elterncafé.

Das Elterncafé in der Gemeinschaftsgrundschule Hochfelder Markt in Duisburg ist beliebt. „Im Sommer sind manchmal 80 Leute hier“, sagt Robin Simon, der das Familiengrundschulzentrum leitet. Das Café hingegen leitet nicht er, sondern die Mütter ehemaliger Schülerinnen und Schüler. „Dass die das hier jeden Morgen machen, obwohl ihre Kinder längst weitergezogen sind, bedeutet mir sehr viel“, betont Simon. Feta, Oliven, Kaffee … Das Angebot lockt nicht nur Eltern an, sondern auch Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter, die Pastorin sowie andere engagierte Menschen aus dem Viertel. „Wenn man hier seine Augen und Ohren offen hält, kriegt man schnell mit, wo gerade Hilfe gebraucht wird. Und die Hilfe sitzt vielleicht direkt am nächsten Tisch.“ 

Anja Stahlbaum, Berufseinstiegsbegleiterin an der Rosa-Parks-Schule in Herten, im Stadtpark Backumer Tal.

In der Natur tankt Anja Stahlbaum auf. Deshalb liebt sie das Backumer Tal, einen Stadtpark, der direkt an den Schulhof der Rosa-Parks-Schule in Herten grenzt. Nach der Arbeit geht die Berufseinstiegsbegleiterin hier manchmal noch spazieren, bevor sie sich auf den Heimweg macht. Dort trifft sie auf Schülerinnen und Schüler, die Fußball oder Minigolf spielen oder unterwegs zum Jugendzentrum sind. „Ich sehe, wie gut es ihnen tut, sich an der frischen Luft zu bewegen“, beobachtet Stahlbaum. Ein positives Gefühl, das sie auch von sich selbst allzu gut kennt, wenn sie hier ihre Runden dreht.

Daniela Nitschke, Schulsozialarbeiterin an der Grundschule Am Umfassungsweg in Magdeburg, im Ruheraum.

Yogamatten und Sitzkissen auf dem Boden, stimmungsvolle Be­leuchtung an der Wand: In dem kleinen, gemüt­lichen Ruheraum der Magdeburger Grund­schule Am Umfassungs­weg macht Daniela Nitschke mit den Schü­lerinnen und Schülern Yoga und Ent­span­nungs­übungen. „Es hilft ih­nen, durch­zuatmen und wieder zu sich zu kommen, wenn sie überreizt oder ge­stresst sind“, sagt die Schul­sozial­arbeiterin. „Das fördert auch ein bes­seres Lern- und Sozialver­halten.“ Gerne würde sie das Ange­bot vergrö­ßern, doch es gebe nicht genug Raum und Kapazitäten, so Nitschke. Der Rück­­zugsort sei ex­trem wichtig für die Kinder.

Pavle Madzirov, Schulleiter an der Sekundarschule Am Biegerpark in Duisburg, im Entdecker-Labor.

Eine Kurzgeschichte als Podcast vertonen, vor dem Greenscreen einen Lernfilm aufnehmen oder mit 3D-Stiften Modelle von Pflanzen oder Tieren zeichnen: Im Entdecker-Labor, dem Lieblingsort von Pavle Madzirov an der Sekundarschule Am Biegerpark in Duisburg, sind den multimedialen Möglichkeiten kaum Grenzen gesetzt. Jede Lehrkraft kann den Raum buchen, fachliche Vorgaben gibt es keine. „Das Schöne ist, dass die Kinder und Jugendlichen hier so vieles ausprobieren und sich einem Thema von unterschiedlichsten Seiten annähern können“, sagt der Schulleiter.

Laura Musal, Lehrerin an der Regenbogenschule in Duisburg, in ihrem Klassenraum.

Wer den größtmöglichen Kontrast zur grauen Ottostraße sucht, findet ihn in der „Monsterklasse“ der Regenbogenschule in Duisburg-Marxloh. Buchstaben- und Zahlentafeln, Bilder und Laternen, eine Weltkarte, Aufkleber, Schilder – alles ist hier bunt. „Ich mag es so bunt, denn das ist es doch, was eine Grundschule ausmacht“, sagt Klassenlehrerin Laura Musal. Die Gestaltung ihres Lieblingsraums hat sie selbst übernommen, vom Ausräumen der Bücher (früher war hier die Schulbücherei untergebracht) über das Streichen der Wände (in Monstergrün) bis zur Auswahl der Möbel. „In diesen Raum habe ich viel Arbeit reingesteckt, hier verbringe ich die meiste Zeit des Tages und die Kinder auch. Deshalb ist er mir so wichtig.“

Carsten Haack, Schulleiter der Theodor-Storm-Gemein­schaftsschule mit Grundschulteil in Kiel, auf der Apfelbaumwiese.

Auf einem schmalen Rasenstück vor der Theodor-Storm-Gemeinschafts­schule in Kiel säumen kleine Apfel­bäume den Bürgersteig – und jedes Jahr zum Schulbeginn im Sommer kommt ein neuer hinzu. „Diese Bäume sind ein wunderbares Symbol für das, was hier geschieht, nämlich Wachstum“, schwärmt Schulleiter Carsten Haack. „2009 haben wir mit diesem Projekt begonnen, und ich erfreue mich jeden Morgen an den Bäumen, wenn ich die Schule betrete.“ Im vergan­genen Jahr haben die Schülerinnen und Schüler sogar zum ersten Mal Apfelsaft gepresst – aus den Früchten, die nicht schon von den Nachbarinnen und Nachbarn genascht wurden.

Haluk Yumurtacı, Lehrer an der Berufsbildenden Schule in Germersheim, im Klassenraum.

Wenn Haluk Yumurtacı im dritten Stock der Berufsbildenden Schule in Germersheim aus dem Fenster seines Klassenraums schaut, blickt er auf das Weißenburger Tor, das im 19. Jahrhundert die Stadt vor Eindringlingen schützte. Heute heißt die Stadt in der Pfalz hier im Besucherzentrum ihre Gästinnen und Gäste willkommen. Für Yumurtacı ist der freundliche Raum mit der Aussicht auf das Tor seit vielen Jahren der Lieblings- und Rückzugsort. Schülerinnen und Schüler des Berufsvorbereitungsjahres haben die Schranktüren selbst in bunten Farben lackiert, und weil das Lehrerzimmer weit entfernt ist, genießt Yumurtacı in den Pausen oft seinen Kaffee hier.

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