Bildungsgerechtigkeit

Deutscher Schulpreis: Drei Startchancen-Schulen unter den Gewinnern

Starkes Zeichen für mehr Bildungsgerechtigkeit: Drei Schulen in sozial herausfordernder Lage erhalten den Deutschen Schulpreis 2026.

Gleich drei Schulen aus dem Start­chancen-Programm gehören zu den Gewinnern des Deutschen Schulpreises 2026 der Robert Bosch Stiftung. Das Startchancen-Programm unterstützt gezielt Schulen mit einem hohen Anteil sozial benach­teiligter Schülerinnen und Schüler. Die drei ausgezeichneten Schul­en verfolgen unterschiedliche päda­gogische Konzepte, mit denen sie auf die Lernvoraussetzungen ihrer Schülerinnen und Schüler eingehen.

Bei der Preisverleihung am 29. September 2026 in Berlin wurden insgesamt sieben Schulen ausgezeichnet. Bundeskanzler Friedrich Merz über­reichte den mit 100.000 Euro dotierten Hauptpreis an die Bertha-von-Suttner-Schule in Mörfelden-Walldorf. Die beiden anderen Startchancen-Schulen erhielten jeweils 30.000 Euro.

Bertha-von-Suttner-Schule: Bildungserfolg unabhängig von der Herkunft

Die Bertha-von-Suttner-Schule in Mörfelden-Walldorf in Hessen gehört mit mehr als 2.000 Schülerinnen und Schülern zu den größten Gesamt­schul­en Deutsch­lands. Ihr Erfolgsrezept liegt, laut der Schulpreis-Jury, in einer syste­matischen Schulentwicklung, die hohe Leistungs­ansprüche mit indivi­dueller Begleitung verbindet.

Die Schule wertet Lern- und Leistungs­daten gezielt aus, um den Unterricht und die Förderung weiterzuentwickeln. Klare Verantwortlichkeiten und feste Strukturen gewähr­leisten, dass päda­gogische Konzepte nicht nur ent­wickelt, sondern auch konsequent umgesetzt werden.

Wie erfolgreich dieser Ansatz ist, zeigen die Bildungs­wege der Schüler­innen und Schüler: Lediglich rund 15 Prozent von ihnen kommen mit einer Gymnasial­empfehl­ung an die Schule. Dennoch erreichen rund zwei Drittel von ihnen das Abitur.

Applaus von allen Seiten für die Bertha-von-Suttner-Schule! Die Gesamtschule hat den Hauptpreis für ihr pädagogisches Konzept, das Bildungsgerechtigkeit fordert und fördert. © Robert Bosch Stiftung GmbH/Max Lautenschlaeger
Vernetzung für mehr gesellschaftlichen Zusammenhalt: An der Stadtteilschule Wilhelmsburg in Hamburg werden soziale Räume, die über die Schule hinausreichen, konzipiert und umgesetzt. © Oliver Forstner

Stadtteilschule Wilhelmsburg: Vielfalt als Stärke

Die Stadtteilschule Wilhelmsburg in Hamburg erhielt den „Preis der Jury“ für gesellschaftlichen Zusammenhalt. Ausgezeichnet wurde, laut Jury, eine Schule, die Vielfalt als Ausgangspunkt ihrer pädagogischen Arbeit sowie als Ressource und Chance versteht.

Rund 80 Prozent der mehr als 1.200 Schülerinnen und Schüler wachsen zweisprachig auf. Die Schule setzt auf eine Kultur des demokratischen Mitei­nan­ders, eine enge Zusammen­arbeit mit den Eltern sowie eine konsequente Öffnung gegenüber dem Stadtteil.

Ein zentraler Bestandteil des Lernkonzepts ist das wöchentliche Coaching. Dabei reflektieren Schüler­innen und Schüler gemeinsam mit ihren Lehrkräften ihre Lern­entwicklung, werten Lernstände aus und vereinbaren nächste Schritte. So übernehmen sie zunehmend Verant­wortung für ihren eigenen Bildungsweg.

Oberschule Berenbostel: Selbstbestimmtes Lernen verändert den Unterricht

Die Oberschule Berenbostel in Garbsen bei Hannover zeigt, dass selbst­ständiges Ler­n­en auch unter heraus­fordernden Beding­ungen gelingen kann. Seit 2017 hat die Schule ihren Unter­richt grundlegend wei­ter­­entwickelt. Im Mittelpunkt steht das Konzept THEO, ein themen­orien­tierter und fächer­übergreifender Unterricht, bei dem, laut Jury, die Schülerinnen und Schüler zunehmend Verant­wortung für ihren eige­nen Lernprozess übernehmen.

Dabei setzt die Schule auf klar struktu­rierte Lernumge­bungen, individuelle Lern­wege und eine enge Begleitung durch die Lehrkräfte. Regelmäßige Lernentwick­lungs­­gespräche helfen den Jugendlichen, ihre Fortschritte zu reflektieren und neue Lernziele zu vereinbaren. Ein abge­stuftes System führt sie schrittweise an selbst­stän­diges Arbeiten heran.

„Juhu!“ Die Vertreterinnen und Vertreter der Oberschule Berenbostel freuen sich gemeinsam über den Deutschen Schulpreis sowie die damit verbundenen 30.000 Euro. © Robert Bosch Stiftung GmbH/Max Lautenschlaeger

Zusammen eigen­verant­wortlich: Regelmäßige Lernentwicklungsgespräche helfen den Schülerinnen und Schülern der Oberschule Berenbostel im Schulalltag. © Oliver Forstner

Drei Schulen, eine wichtige Botschaft

Gerade für die Debatte um Bildungs­gerechtigkeit ist die dreifache Auszeichnung bedeutsam. Schulen in sozial heraus­fordernder Lage werden häufig vor allem über ihre Defizite und zusätzlichen Unterstützungsbedarfe wahr­genommen. Die drei Preisträger­schulen zeigen eine andere Perspektive: Sie entwickeln Lösungen, die weit über ihre eigenen Schulstandorte hinaus Anregungen für gute Schule geben können.

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