Marie-Therese Weyrich und Selina Schording stehen vor ihren Schülerinnen und Schülern an der Realschule Plus in Birkenfeld. Gerade haben die beiden Lehrerinnen ihren Sechstklässlern erzählt, dass sie mit ihrem Song „Frieden für die Welt“ bei einem bundesweiten Contest gegen mehr als 800 Konkurrentinnen und Konkurrenten gewonnen haben.
Lied für den Frieden
Applaus brandet auf. Die Schülerinnen und Schüler jubeln. „Ich stand kurz vor den Tränen. Diesen Stolz in den Augen der Kinder zu sehen, ist für eine Lehrerin das Schönste”, sagt Lehrerin Weyrich. „Und ohne das Startchancen-Programm wäre dieser Erfolg gar nicht möglich gewesen“, sagt Schulleiterin Siegrid Schöpfer.
20 Milliarden Euro will der Bund in den kommenden zehn Jahren in tausende Schulen in herausfordernder Lage in Deutschland investieren. Das Ziel: Mehr Bildungsgerechtigkeit mit zusätzlichem Geld und Personal.
Zu den geförderten Schulen gehört auch die Realschule Plus in Birkenfeld. Hier seien viele Kinder, bei denen es zu Hause wenig Geld und wenig Bildung gibt, sagt Schöpfer. Durch das Programm kann die Schule in ihre Klassenräume investieren und zum Beispiel auch zwei Sozialpädagoginnen und -pädagogen einstellen, die sich zusätzlich um die Schülerschaft kümmern. „Das Gefühl, den Kindern gerechter zu werden, ist auf jeden Fall da“, sagt Schulleiterin Schöpfer.
„Kinder, die im Unterricht eher Probleme haben, sind bei dieser Videoproduktion total aufgeblüht“
Selina Schording, Lehrerin an der Realschule Plus in Birkenfeld
Ein Booster für das Selbstbewusstsein
Mit den Mitteln des Bundes hat die Schule auch das Song-Projekt finanziert. Die Schülerinnen und Schüler haben das Lied selbst geschrieben und komponiert, eine Firma hat sich um die Technik gekümmert und ein hochwertiges Video produziert. „Kinder, die im Unterricht eher Probleme haben, sind bei dieser Videoproduktion total aufgeblüht”, erzählt Lehrerin Selina Schording.
Yaman Ayoob kommt aus Syrien. Der Elfjährige hat den Song geschrieben. „In vielen Ländern herrscht Krieg. Und dann habe ich mir gedacht, was ist, wenn der Krieg einfach aufhört und jeder friedlich miteinander lebt“, erzählt er. Diese Gedanken hätten ihn beim Schreiben begleitet.
Diese Botschaft ist offenbar angekommen. Die Schule siegte bei der Abstimmung mit deutlichem Abstand. Zur Belohnung gibt es einen dreitägigen Workshop mit einer professionellen Videoproduktion in Berlin und 1.000 Euro für die Klassenkasse. „Und ein Booster für das Selbstbewusstsein“, sagt Schulleiterin Schöpfer.
Ob das Startchancen-Programm das Bildungssystem wirklich fairer macht und die Schülerinnen und Schüler sich auch langfristig in Fächern wie Mathematik oder Deutsch verbessern, kann Schöpfer nach einem Jahr noch nicht sagen.
Doch sie ist froh, dass endlich Geld für Projekte wie den Friedenssong da ist. Das sieht auch Ben Neu so, der den Refrain gesungen hat. Auf die Frage, was er in dem Projekt gelernt hat, sagt der Sechstklässler: „Dass man alles erreichen kann, auch wenn man selbst nicht daran glaubt.“
Dieser Artikel wurde zuerst auf www.swr.de am 14. September 2025 veröffentlicht.