Schulsekretärin Norbeteit an ihrem Schreibtisch

Schulsekretariat

„Ich bin die Zentrale“

Bei Schulsekretärin Karola Norbeteit laufen alle Fäden zusammen. Um helfen zu können, kommuniziert sie mit Kindern und ihren Eltern auch schon mal mit Händen und Füßen.

Kreisende Hula-Hoop-Reifen, Kinder, die in ein Sprungtuch hüpfen. Es war dieser Anblick eines wuseligen Schulhofs, der Karola Norbeteit begeisterte, als sie sich 2019 an der Gemeinschafts­grundschule (GGS) Sandstraße in Duisburg-Marxloh vorstellte. „Der ganze Hof war so schön bunt“, schwärmt sie. Der Platz der Schulsekretärin indes war da schon monatelang verwaist, stapelweise Arbeit wartete auf die Nachfolgerin. Nach dem Gespräch mit Schulleiter Klaus Hagge überlegte Norbeteit dennoch nicht lange und sagte zu. Heute meint sie: „Es war das Beste, was mir passieren konnte.“

Wenn die Hausmeisterin Marietta Stradmann morgens gegen halb acht die Holztür zu dem alten Backsteingebäude aufschließt, ist Karola Norbeteit die Erste, die die breiten Stufen hochsteigt. Dann fährt sie im Sekretariat Kaffeemaschine und Rechner hoch. Bis um 8.15 Uhr der Gong ertönt, geht es hier zu wie im Taubenschlag, dann kehrt allmählich Ruhe ein. Für unseren Besuch hat sie sich anderthalb Stunden frei geschaufelt, in denen sie viel lacht, Optimismus versprüht und an deren Ende man überzeugt davon ist, dass Karola Norbeteit, gelernte Bankkauffrau, Anfang 50, jedes erdenkliche Problem schon irgendwie lösen wird. „Letztlich kommt jede und jeder irgendwann bei mir vorbei. Ich bin die Zentrale“, sagt sie. Und das ist keineswegs übertrieben.

Seit 2019 Wirkungsort von Karola Norbeteit: Die GGS Sandstraße in Duisburg-Marxloh.

Gebäude GGS Sandstraße

„Es war das Beste, was mir passieren konnte.“

Teil eines multiprofessionellen Teams

Im Sekretariat ist Karola Norbeteit alleine. Dafür arbeitet sie schulweit in einem multiprofessionellen 70-köpfigen Team. Zu den 30 Lehrkräften kommen Alltagshelferinnen und Dolmetscher, interkulturelle Beraterinnen, Mitarbeiterinnen für den Ganztagsbetrieb, Integrationshelferinnen, Projektkräfte auf Honorarbasis, Studierende als Aushilfen, Reinigungskräfte und Senioren, die den Kindern ein Frühstück servieren. Für sie alle ist Norbeteit auch noch da, erledigt die Gehaltsabrechnungen und hilft bei jeder Frage weiter.

Dass sie an einer Schule im Brennpunkt arbeiten würde, war ihr anfangs gar nicht bewusst. Als sie erst einmal angefangen hatte, war ihr diese Einordnung aber auch egal. „Hier geht es wie an jeder Schule vor allem um die Kinder“, sagt Norbeteit. Erfahrungen als Schulsekretärin hatte die gelernte Bankkauffrau zuvor schon an einer Gesamtschule gesammelt. Aber in Marxloh läuft vieles anders. „Man braucht viel Zeit und eine gewisse Gelassenheit, muss Herzblut reinstecken und darf die Menschen nicht dafür verurteilen, was sie nicht tun. Das musste ich erst lernen“, gibt Norbeteit zu.

Schulsekretärin Norbeteit
Wer ins Schulbüro kommt, dem wird geholfen. Karola Norbeteit hat ein offenes Ohr für alle Sorgen und Nöte.

Detektivarbeit im Schulbüro

Viele Eltern melden etwa ihre Kinder nicht von der Schule ab, wenn sie krank sind oder ins Ausland reisen. Dann forscht Norbeteit gemeinsam mit den Alltagshelferinnen und -helfern nach, die Türkisch, Persisch und Arabisch sprechen. „Wir telefonieren jedem Kind hinterher“, sagt die Schulsekretärin. Vieles, was Eltern nicht tun, beruhe auf Unwissenheit. Sie sprechen kein Deutsch, kennen unser Schulsystem nicht und sind mit der Bürokratie nicht vertraut. „‚Guten Tag, mein Name ist Müller, wir sind neu zugezogen und möchten unser Kind anmelden‘ – so läuft das hier nicht!“, macht Norbeteit klar. Eher stehen Eltern vor ihr und schieben einen Pass über den Tisch. Dann versucht sie herauszufinden, was die Menschen überhaupt möchten.

Mit viel Herzblut, Zeit und Gelassenheit widmet sich die Schulsekretärin den Anliegen jedes einzelnen Kindes.
Board
Irgendwann landet jede oder jeder mal in der Zentrale der GGS Sandstraße: bei Karola Norbeteit.

„Bei mir geht niemand raus, ohne dass ich geholfen habe. Das liegt mir am Herzen“, sagt sie. Wenn Eltern hilflos vor ihr stehen, malt sich die zweifache Mutter oft aus, sie würde plötzlich in Saudi-Arabien leben, müsste ihre Kinder dort in der Schule anmelden und könnte weder lesen noch schreiben. „Da braucht man einfach Hilfe!“, meint sie.

Nach der Schule kümmert sich Karola Norbeteit wieder um Kinder – diesmal im Duisburger Turnverein, wo sie Schwimm- und Turnkurse leitet. Dabei entspannt sich die ehemalige Leistungsturnerin. Mehr Erholung braucht sie nicht: „Work-Life-Balance ist nicht mein Ding. Ich gehe in meinem Job auf. Hier erfahre ich Wertschätzung und Dankbarkeit. Ich komme jeden Morgen gerne zur Arbeit.“

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