Elternarbeit

„Vielen Eltern ist gar nicht bewusst, welche Rolle sie für den Schulerfolg ihrer Kinder spielen“

Wie unterstützt das Eltern-Kind-Programm Kinder und ihre Familien beim Start ins Schulleben, Gina Hellerling und Fania Gruner?

Sie haben an der GGS Konrad-Adenauer-Straße in Köln ein neues Konzept eingeführt, das sich an die Eltern der zukünftigen Schulkinder richtet. Was war der Anlass dafür – und wie kamen Sie auf dieses Angebot?

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Gina Hellerling: Wir erleben, dass viele unserer Eltern un­sicher sind, wie sie ihre Kinder beim Schulstart unter­stüt­zen können – besonders, wenn sie selbst wenig Schulerfahrung haben, kaum Deutsch sprechen oder in einem anderen Bildungssystem aufgewachsen sind. Vielen ist gar nicht bewusst, wel­che Rolle sie für den Schulerfolg ihrer Kinder spielen.

Als wir diesbezüglich im Austausch mit der Universität zu Köln waren, er­fuhren wir vom „Inselraum“-Konzept. Es vermit­telt Eltern frühzeitig, dass sie im Kon­text des Schulstarts ihrer Kinder viel bewirken können, auch wenn sie selbst wenig oder keine Schulbildung genos­sen ha­ben. Das Programm pas­ste zu unserer Vorstellung, ein Angebot schaf­fen zu wollen, das auf Ver­trauen basiert und nicht belehrend wirkt. Es sollte niedrigschwellig, alltags­nah und gleich­zeitig verbindlich sein, und so haben wir es an unserer Schule eingeführt.

„Diese Erfahrungen verändern den Blick auf das eigene Kind – und auch auf die Schule.“

Das Programm geht über elf Wochen. Was passiert in dieser Zeit konkret?

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Fania Gruner: Es gibt elf wöchentliche Treffen, an denen Eltern gemeinsam mit ihren zukünftigen Erstklässler­innen und Erstklässlern teilnehmen. Wäh­rend die Kinder spielen, basteln oder malen, re­den wir mit den Eltern unter anderem darüber, wie sie ihre Kinder zu Hause beim Lernen unterstützen können. Auch unter­halten wir uns darüber, wie ein geregelter Schulalltag aussieht und weshalb es wichtig ist, dass das Kind selbstständig seine Schultasche packt. Und schließlich geht es um den Umgang mit Gefühlen – etwa, wie man reagiert, wenn das Kind im Unterricht laut wird oder sich leicht ablenken lässt. Wir sprechen darüber, wie Eltern ihr Kind emotional begleiten können.

Nach etwa 40 Minuten kommen die Kinder dazu. Dann wird das Besproch­ene direkt ausprobiert. Die Eltern be­kommen kleine Aufgaben gestellt, bei denen sie erleben, wie es ist, ihrem Kind Aufmerksamkeit zu schenken, es zu ermu­tigen und in seiner Selbststän­digkeit zu unter­stützen. Wir hören dann Sätze wie: „Ich wusste gar nicht, dass mein Kind so stolz ist, wenn ich ihm einfach nur zuhöre.“ Diese Erfahrungen verändern den Blick auf das eigene Kind – und auch auf die Schule.

Was bewirkt das Angebot bei den Kindern und ihren Eltern noch?

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Hellerling: Die Kinder starten mit einem besseren Gefühl in die Schule, weil sie wissen, dass ihre Eltern dazuge­hören. Dieses Vertrauen überträgt sich auf den Schul­alltag. Und bei den Eltern be­obachten wir spürbare Ver­ände­rungen: Jene, die vorher sehr zurück­haltend waren, trauen sich auf einmal, Fragen zu stellen oder Hilfe zu suchen. Sie merken, dass sie ernst genom­men werden und dass ihre Haltung zählt – auch wenn sie selbst kein Deutsch sprechen oder nicht auf positive Schul­erfah­rungen zurückblicken können. Viele Eltern empfehlen das Programm weiter oder kommen danach regelmäßig ins Familiengrundschulzentrum. Spä­testens dann wissen wir, dass das Inselraum-Konzept Früchte trägt. Das Angebot schafft eine Ver­bindung zwi­schen Elternhaus und Schule, baut Vertrauen auf. Und das ist genau das, was wir in unserem herausfordernden Stadtteil Köln-Porz/-Finkenberg brauchen.

Foto: © GGS Konrad-Adenauer-Straße

Gina Hellerling ist seit 2016 Schulleiterin der GGS Konrad-Adenauer-Straße.  

Foto: © GGS Konrad-Adenauer-Straße

Fania Gruner ist seit 2018 Leiterin der Vorschulklasse an der GGS Konrad-Ade­nauer-Straße und betreut seit 2023 das Eltern­angebot.

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