Um längerfristig offene Lehrkräftestellen zu besetzen, hat Ihre Schule ein Casting organisiert. Macht Not erfinderisch?
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Anke Barth: In unserem Fall, ja. Wir haben an unserer Schule mit einem großen Lehrkräftemangel zu kämpfen. Aktuell fehlen uns sieben Lehrerinnen und Lehrer, was einen planmäßigen Unterrichtsausfall von 25 Prozent bedeutet. Deshalb mussten wir sogar Unterrichtsstunden einsparen: Statt an fünf Wochentagen hatten die Schülerinnen und Schüler einzelner Jahrgänge nur an vier Tagen Unterricht in der Schule. Am fünften Wochentag sollten die Kinder zu Hause selbstständig lernen – das klappte aber nicht gut. Die daraus folgenden Wissenslücken müssen wir heute noch ausbügeln.
Als Oberschule auf dem Land ist es für uns sehr schwer, Lehrkräfte zu gewinnen. Die meisten Lehramtsabsolventinnen und -absolventen peilen ein Gymnasium an, da die Schulform Oberschule immer noch stark stigmatisiert wird. Viele der jungen Lehrerinnen und Lehrer wollen nach dem Studium zudem gerne in den Städten wohnen bleiben. Es ist also doppelt schwer für uns, Personal zu rekrutieren. Und so kamen wir auf die Idee, ein Casting zu veranstalten.
„Aktuell fehlen uns sieben Lehrerinnen und Lehrer, was einen planmäßigen Unterrichtsausfall von 25 Prozent bedeutet.“
Anke Barth Schulleiterin der Oberschule „Gotthold Ephraim Lessing“ In Lengenfeld
Wie genau lief das ab?
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Barth: Wir haben im Februar dieses Jahres eine kleine Tafelrunde organisiert und dafür Einladungen an die Lehramtsstudierenden umliegender Universitäten verschickt. Interessierte konnten auf eine Tasse Kaffee und ein Stück Kuchen zu uns kommen und sich über die Arbeit an unserer Schule informieren. Wir haben ihnen unsere Schule gezeigt, zahlreiche Gespräche geführt und alle Fragen beantwortet. Diese Begegnung haben wir natürlich dafür genutzt, um Kontaktdaten mit den potenziellen Anwärterinnen und Anwärtern auszutauschen, von denen einige auch Seiteneinsteigerinnen und -einsteiger waren.
Wie erfolgreich war die ganze Aktion für Ihre Schule?
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Barth: Sie hat für viel Aufmerksamkeit gesorgt, vor allem, da die lokalen Medien darüber berichtet haben. Unsere Schule war somit in aller Munde. Und, das Wesentliche: Wir konnten tatsächlich zwei Lehrkräfte für uns begeistern. Mit ihnen führt das Landesamt für Schule und Bildung bereits konkrete Einstellungsgespräche, geplant ist eine mögliche Einstellung frühestens zum neuen Schuljahr 2026/2027. Wir als Schule haben auf wirksame Weise gelernt, wie wichtig es ist, selbst zu handeln. Man muss einfach was tun. Wer nicht kommuniziert, wird nicht gehört. Dabei ist diese Form des persönlichen Austauschs besonders wertvoll. Wenn Interessierte vor Ort sind, können sie sich ein eigenes Bild von der Schule machen. Dann merken viele von ihnen recht schnell, dass die vielen Vorurteile über Oberschulen schlicht nicht zutreffen.