Sprachförderung

„Zum Aus­gleich der Defizite brauchen diese Kinder einiges an Unterstützung“

Der Duisburger Sprach­standstest prüft die Sprach­kompetenzen in den fünften Klassen. Katja Prott erklärt, wie er dabei hilft, gezielte Förderangebote zu schaffen.

Frau Prott, Sie führen an der Rosa-Parks-Schule in Herten den Duisburger Sprachstandstest im Fach Deutsch durch. Wie ist er aufgebaut?

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Katja Prott: Der Test, der von der Ge­samtschule Duis­burg-Meiderich ent­wickelt wurde und den weiterfüh­rende Schulen in Nordrhein-Westfalen seit 2005 nutzen können, wird zum Start der fünften Schulklasse durch­geführt. Er besteht aus Fragen zu den Katego­rien Hör­verstehen, Leseverstehen, Grammatik, Satzbau und Wortschatz. In jedem Bereich können die Schüler­innen und Schüler 20 Punkte erzielen, insge­samt können sie also 100 Punkte er­reichen. Zusätzlich gibt es 40 Lücken­sätze zum Thema Rechtschreibung, die erste Rück­schlüs­se auf orthografische Probleme zulassen. Am Ende des Jahr­gangs 5 führen wir einen Re-Test durch, um die Ent­wicklung der Schüler­innen und Schüler im Blick zu behalten.

Was fällt Ihnen anhand des Tests ne­ben den individuellen Lern­ständen im Allgemeinen auf?

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Prott: Wir beobachten, dass die sprach­liche Kompetenz der Kinder stetig ab­nimmt und die Zahl der Schülerinnen und Schüler, die beson­deren sprach­lichen Förderbedarf haben, entspre­chend zunimmt. Der Anteil der Kinder, die im Test weniger als 40 Punkte er­reichen, ist in den letz­ten Jahren immer weiter gestiegen. Der Wert von 40 Punkten wird als eine Art Interventions­grenze angese­hen, denn ohne eine sprachliche Zusatzförderung wird die Schullaufbahn für die jewei­ligen Mäd­chen und Jun­gen als gefähr­det erach­tet. Zum Ausgleich der Defizite brau­chen diese Kinder also einiges an Unter­stützung.

„Die Ergebnisse helfen uns da­bei, Förderschwerpunkte zu iden­tifizieren und ent­sprech­ende Förder­gruppen zu bilden.“

Und wie sieht diese an Ihrer Schule aus?

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Prott: Wir bieten zwei zusätzliche Deutsch-Förderstun­den pro Woche an, in denen unsere Schülerinnen und Schüler ihre sprachlichen Grundkom­peten­zen weiter aus­bilden können. Außerdem helfen uns die Ergebnisse da­bei, Förderschwerpunkte zu iden­tifizieren und ent­sprech­ende Förder­gruppen zu bilden. Hierbei geht es beispiels­weise um die alltags- und bildungssprach­liche Wort­schatzerwei­terung, unterschiedliche Grammatik­themen sowie um Lese- und Schreib­strategien. Auch haben wir in diesem Schuljahr eine 20-minütige Lesezeit einge­führt, die einmal die Woche in unserer fachgebun­denen Selbst­lernzeit stattfindet. Damit unsere Lehr­kräfte dafür das nötige Rüstzeug haben, bilden wir sie zum Thema „Sprach­sensibler Unterricht in allen Fächern“ fort.

Leider erschweren uns fehlende per­sonelle Ressourcen die praktische Durchführung dieser notwendigen Maß­nahmen. So verbleiben wir aktuell wäh­rend der Förder­stunden im Klas­sen­verband. Wir können das Förderan­gebot derzeit also nicht in zusätzlichen klei­nen Förder­gruppen anbieten. Dennoch gehen wir unseren Weg wei­ter: Unser letzter Re-Test am Ende des vergan­genen fünften Schuljahres zeigt schließlich, dass sich die Leis­tungen unserer Schülerinnen und Schüler verbessert haben.

Zugang zum Duisburger Sprachstandstest

Interessierte Schulen melden sich über diesen Link an und erhalten daraufhin das Passwort für die Testunterlagen.

Foto: © Katja Prott

Katja Prott ist Lehrerin für die Fächer Deutsch und Eng­lisch und unter­richtet seit 2025 an der Rosa-Parks-Schule in Herten. Seit 2019 ist sie Koordi­natorin des Duisburger Sprachstandstests.

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