„Viele unserer Schülerinnen und Schüler sind erst vor Kurzem nach Deutschland gekommen und haben Sprachbarrieren, andere erleben belastende familiäre Situationen. Da fällt es ihnen verständlicherweise manchmal schwer, sich morgens aktiv und konzentriert am Unterricht zu beteiligen. Wir versuchen deshalb, Schule anders zu denken – als einen Ort, an dem junge Menschen nicht nur lernen, sondern auch Gemeinschaft erleben und eigene Stärken entdecken.
So ist unser ‚Tag der Möglichkeiten‘ entstanden. Jeden Mittwoch verbringen die rund 200 Jugendlichen aus der Ausbildungsvorbereitung, der Werkstattschule und der Berufsfachschule I den Schultag auf neue Weise. Vormittags arbeiten sie in kleinen Gruppen ganz praktisch an Fächern wie Deutsch oder Mathe: Dabei vermessen sie den Schulturm oder die Saar, lösen Escape-Rooms oder erkunden ihre Umgebung. Im Mittelpunkt stehen hier nicht klassische Lernformate oder Leistungstests, sondern Neugier, eigenes Ausprobieren und gemeinsames Lernen.
Doch damit nicht genug: Am Nachmittag wählen die Jugendlichen aus attraktiven Kursen wie Skaten, Klettern, Robotik oder Drohnenflug. Viele entdecken dabei Fähigkeiten, die im Unterricht kaum zum Vorschein kommen – und manchmal sogar eine Idee für ihren späteren Berufsweg. Unser Ziel ist, dass die Jugendlichen wieder gerne zur Schule kommen und regelmäßig am Unterricht teilnehmen. Dadurch erhoffen wir uns bessere schulische Leistungen, die wiederum zu mehr und besseren Schulabschlüssen führen.
Die ersten Rückmeldungen der Schülerinnen und Schüler zeigen, dass uns das gut gelingt. Auch unser Kollegium erlebt die kreative Arbeit in kleinen Gruppen als große Bereicherung. Für mich ist das der beste Beweis, dass Schulentwicklung dort beginnt, wo wir Schule an den Bedürfnissen der jungen Menschen ausrichten.“
Wolfgang Klein ist Schulleiter des Technisch-gewerblichen Berufsbildungszentrums in Saarbrücken. Gemeinsam mit seinem Kollegium hat er den „Tag der Möglichkeiten“ entwickelt, der Jugendliche zum Lernen motivieren soll.