Schulabsentismus

„Dass die Zahl so gering ist, haben wir unseren Maßnahmen zu verdanken“

Was tun, wenn Kinder nicht mehr zum Unterricht erscheinen? Doreen Eccarius berichtet, welche Wege ihre Schule geht, um Schulabsentismus im Zaum zu halten.

„Wenn Kinder selten oder gar nicht in der Schule erscheinen, sind die Gründe dafür meist individuell: Vielleicht leben die Familien weit entfernt von der Schule oder die Kinder haben Schwierigkeiten im Unterricht und fühlen sich deshalb zeitweise nicht wohl in der Klasse. Manchmal spielt Bildung in den Familien auch keine große Rolle – da nimmt man es nicht so genau mit der Anwesenheit. Schulabsentismus ist ein schwerwiegendes Problem, das wir mittlerweile aber ziemlich gut im Griff haben. Aktuell haben wir zehn Fälle, die etwas herausfordernd sind. Bei 650 Schülerinnen und Schülern ist diese Zahl überschaubar, finde ich. Dass sie so gering ist, haben wir unseren Maßnahmen zu verdanken. Die wurden über die Jahre implementiert, evaluiert und angepasst.

Zum einen erfassen wir die Fehlzeiten der Kinder digital über unser Lernmanagementsystem ‚itslearning‘. Wenn ein Kind unentschuldigt nicht zum Unterricht erscheint, informieren die Lehrkräfte unser Sekretariat, welches in Kontakt mit den Eltern tritt. Sind die Fehlzeiten besonders hoch, berufen wir eine Schulhilfekonferenz ein, in der sich Klassenleitung, Erzieherinnen, Sozialpädagogen und unsere Schulsozialarbeiterinnen mit den Eltern zusammensetzen. Bei dieser Sitzung schildert jede und jeder ihre beziehungsweise seine Sicht, und wir bemühen uns, individuelle und vor allem praktikable Lösungsangebote anzubieten. Natürlich können und müssen unsere Lehrerinnen und Lehrer bei schwerwiegenden Fällen eine Schulversäumnisanzeige stellen, damit die zuständige Behörde informiert ist und tätig werden kann. Das geht ganz leicht über das Berliner Schulportal, das der Berliner Senat pflegt.

Uns ist besonders wichtig, dass wir uns jeden Fall und jedes Kind genau anschauen. Fehlt es an Wohl- oder Zugehörigkeitsgefühl? Dann versuchen wir, das Mädchen oder den Jungen besser in die Klasse einzugliedern. Braucht das Kind besondere Zuwendung? Dann kann eine temporäre Eins-zu-eins-Betreuung durch eine Fachkraft helfen. Auch haben wir die Möglichkeit, Kinder in das DSA-Projekt zu integrieren. DSA steht für ‚Deine Stärken Aktivieren‘. Dabei handelt es sich um eine zeitlich begrenzte externe Beschulung für jene, die besonders ängstlich sind oder Schule im Allgemeinen ablehnen. Regelmäßig ist ein Schulpsychologe an der Schule und bietet Beratungstermine für Eltern, Schülerinnen und Schüler sowie unser Kollegium an. Der Schulpsychologe ist abgeordnet vom Schulpsychologischen und Inklusionspädagogischen Beratungs- und Unterstützungszentrum (SIBUZ), welches mit den Schulen in einem intensiven Austausch steht. Wenn wir jedoch feststellen, dass Eltern für den Schulabsentismus verantwortlich sind – in welcher Form auch immer –, wenden wir uns in letzter Instanz an das Jugendamt. Das schmiedet zusammen mit den Eltern einen individuellen Plan und setzt eventuell eine Familienbetreuung ein. Unser Ziel ist, dass jedes Kind regelmäßig zur Schule kommt.“

Foto: © Karolin Klüppel

Doreen Eccarius ist seit 2019 Schulleiterin an der BrodowinSchule in Berlin. Zuvor war sie an der Schule als Lehrerin tätig. 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert


… im Postfach

Abonnieren Sie unseren wöchentlichen Newsletter mit den besten Geschichten.

[sibwp_form id=1]

Das könnte Sie auch interessieren:

Bitte beachte unsere Netiquette.

Auf SchuB möchten wir den fachlichen Austausch der Schulen im Brennpunkt untereinander fördern. Daher freuen wir uns sehr über Eure Meinung zu unseren Beiträgen. Für einen respektvollen und konstruktiven Austausch bitten wir Euch folgende Regeln zu beachten:
Wir danken Euch für Eurer Verständnis und Eure Mitwirkung und wünschen Euch viel Freude beim Kommentieren.