Schulöffnung in den Sozialraum

Den Start erleichtern – in Schule und Alltag

Das Programm „Ankommen in Schule und Stadt“ unterstützt neu zugewanderte Kinder und Jugendliche beim Start in ihr neues Leben. Aber auch Lehrkräfte profitieren davon.

Neue Sprache, fremde Umgebung, unbe­kannte Regeln: Kinder und Jugendliche, die erst seit Kurzem in Deutschland leben, stehen vor großen Heraus­forderungen im Alltag und in der Schule. Damit sie diese nicht allein meistern müssen, hat das Sozialunternehmen ZuBaKa – kurz für „Zukunftsbaukasten“ – verschiedene Schulprojekte ent­wickelt. Eines davon: „Ankommen in Schule und Stadt“.

Das Programm richtet sich an Kinder und Jugendliche, die an Grundschulen und weiter­führenden Schulen im Rhein-Main-Gebiet Intensivklassen besuchen. Aber auch den Lehr­kräften hilft das Projekt, denn sie sind oft dem Druck ausgesetzt, sich über den Unterricht hinaus intensiv um Schülerinnen und Schüler kümmern zu müssen, die einen besonderen Betreuungs- und Unterstützungs­­bedarf haben.

Was das Angebot „Ankommen in Schule und Stadt“ konkret beinhaltet, wie wirksam es tatsächlich ist und wie interessierte Schulen davon Gebrauch machen können – alle wichtigen Infos gibt’s hier im Überblick.

Was ist „Ankommen in Schule und Stadt“?

Das Programm hilft Schüler­innen und Schüler mit Zuwanderungserfahrung, in ihrem neuen Heimatort anzu­kommen – sprachlich, schulisch und sozial. Konkret heißt das: Neben perso­neller Unter­stützung in den Intensivklassen bieten sogenannte ZuBaKa-Zukunftslotsinnen und -lotsen den Mädchen und Jungen an, gemein­sam das neue schulische und soziale Umfeld zu erschließen. „Sie lernen den Schulalltag kennen, erkunden ihren Stadtteil und erfahren, wo sie Unterstützung und Freizeit­angebote finden können“, er­klärt Anna Ernst, Projekt­verantwortliche bei ZuBaKa. Gleichzeitig erweitern sie dabei ihre Deutschkenntnisse und gewinnen an Selbstvertrauen – eine wichtige Grundlage, um ihren Bildungsweg selbst­bestimmt zu gestalten und aktiv am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben. „Viele Jugendliche sind hochmotiviert, haben aber Schwierig­keiten, in ihrem neuen Umfeld richtig anzukommen. Wir geben ihnen Werk­zeuge an die Hand, mit denen sie Schule und Alltag meistern können“, so Ernst.

Gesellschaftliche Ent­wicklungen wie Zuwanderung, Flucht und Fachkräfte­mangel verändern den Schul­alltag spürbar. Eine Studie des Deutschen Schul­barometers zeigt: Lehrkräfte sehen Verhaltens­­probleme der Schülerinnen und Schüler, eine hohe Arbeitsbelastung, Zeit­druck sowie Lern­rückstände als zentrale Heraus­forderungen. Diese Probleme werden ins­besondere an Schulen im Brennpunkt sichtbar.

Konstanze Kutschera, Schul­leiterin der Brentano­schule in Frankfurt-Rödelheim, berichtet: „In unserer Nähe gibt es eine große Geflüchteten­unterkunft, viele der Kinder dort kommen zu uns in die Schule. Oft fehlen aber einfach die Ressourcen, einzelne neu angekommene Jugend­liche so intensiv zu begleiten, wie es nötig wäre.“

Genau hier setzt „Ankommen in Schule und Stadt“ an: Das Programm schließt eine Lücke, indem es sprach­liche Förderung, schulische Orien­tierung und soziales Ankommen kombiniert. So werden auch Lehr­kräfte spürbar entlastet.

Das Projekt findet aktuell in fünf Klassen an fünf ver­schiedenen Schulen im Rhein-Main-Gebiet statt, darunter drei Grundschulen und zwei weiter­führende Schulen. In den Intensiv­klassen bereiten sich in der Regel zwölf bis fünfzehn Kinder oder Jugendliche auf den Übergang in die Regelklassen vor. Die ZuBaKa-Zukunftslotsinnen und -lotsen helfen ihnen auf vielfältige Weise:

  • Zusatzkraft im Unterricht: Beim Teamteaching unterstützen die Zukunftslotsinnen und -lotsen die Lehrkräfte in der Schul­klasse.
  • Sprachförderung im Alltag: Durch gezielte Übungen lernen die Kinder, sich direkt an der Lebens­welt orientieren – vom Voka­bular für den Besuch im Jugend­zentrum bis zum Schulunterricht.
  • Stadt- und Freizeit­projekte: Gemeinsame Ausflüge, zum Beispiel ins Museum oder zum Sport­verein, stärken die Zuge­hörigkeit und das Selbst­bewusstsein.

Seit dem Start im Jahr 2022 hat „Ankommen in Schule und Stadt“ bereits mehr als 500 Kinder und Jugendliche erreicht. Eine begleitende Evaluation zeigt: Die Teil­nehmer­innen und Teilnehmer machen deutliche Fortschritte im Spracherwerb und ent­wickeln mehr Eigenständigkeit. Lehrkräfte wiederum berichten von spürbaren Veränderungen: mehr Motivation, weniger Rückzug, steigen­des Selbst­vertrauen. Schul­leiterin Kutschera fasst es so zu­sammen: „Die Jugendlichen kommen durch ZuBaKa viel schneller bei uns an. Das nützt im Umkehr­schluss auch der Schule und den Eltern – eine Win-win-win-Situation.“

Das Programm wird derzeit an Schulen im Rhein-Main-Gebiet und der Metropolregion Rhein-Neckar um­gesetzt. Die Finan­zierung erfolgt vor allem durch Fördergelder von Stiftungen und teilweise durch Eigen­beiträge der Schulen. Die Kooperation zwischen Projekt und Schule beginnt idealer­weise zu Beginn des Schul­jahres. Die Zukunfts­lotsinnen und -lotsen kommen regel­mäßig an die Schule und stimmen sich eng mit Lehrkräften ab. Viele Schulen nehmen bereits zum wieder­holten Mal teil – so auch die Brentano­schule in Rödelheim: „Wir sind jetzt im zweiten Jahr dabei, weil wir schon im ersten Jahr gemerkt haben, wie wichtig ‚Ankommen in Schule und Stadt‘ als Binde­glied zwischen Schule und Gesellschaft ist“, sagt Schul­leiterin Kutschera.

Für Anna Ernst von ZuBaKa bilden die bisherigen Er­fahrungen die Grundlage, um das Programm in den kommen­den Jahren auf weitere Städte und Schulen auszuweiten. „Denn jedes Kind, das gut ankommt, ist ein Gewinn für mehr Bildungsgerechtigkeit – und damit sowohl für die Schule als auch für die Gesellschaft.“

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