„Wir hatten uns an der Schule dazu entschieden, mithilfe der KESS-Studie den Kompetenzstand unserer Schülerinnen und Schüler in verschiedenen Fächern sowie ihre Einstellungen zum Lernen genauer zu untersuchen. Das Ergebnis hat uns sehr überrascht, denn es kam heraus, dass zwölf Prozent der Kinder im Jahrgang 9 hoch- und höchstbegabt sind. Dazu muss man sagen: Wir haben den Schulsozialindex-Faktor 8. 95 Prozent unserer Schülerinnen und Schüler kommen aus bildungsfernen Familien, ein Großteil von ihnen hat einen Migrationshintergrund. Das Ergebnis dieser Erhebung hatte sich zuvor in keiner Weise abgezeichnet, weil Begabung ganz oft sprachabhängig beurteilt wird. Die KESS-Studie dagegen läuft bewusst sprachreduzierter ab – weshalb sich das Potenzial vieler Schülerinnen und Schüler erst durch diese Tests zeigte.
Um zu prüfen, ob das nur ein Phänomen von Jahrgang 9 ist, haben wir uns daraufhin auch die anderen Klassenstufen näher angeguckt und festgestellt, dass wir in allen Jahrgängen zehn bis 15 Prozent hoch- und höchstbegabte Kinder haben. Diese Quote hat uns Lehrkräfte ein Stück weit wachgerüttelt, weil wir dadurch noch mal einen ganz anderen Arbeitsauftrag haben, dem wir uns unbedingt stellen müssen.
Auch äußerst interessant: Im Jahrgang 9 sind unsere Schülerinnen und Schüler in der gesellschaftlichen Kompetenz anderen Gleichaltrigen in Deutschland ein- bis anderthalb Jahre voraus. Die sind unglaublich schlau, was die Wahrnehmung und Beurteilung von gesellschaftlichen Problemen sowie die Entwicklung von entsprechenden Handlungsoptionen angeht. Das zeigt, dass die Kinder auch durch das Leben geschult werden.“