Gerechte Ressourcenverteilung

„Niemand ist auf sich allein gestellt“

Personelle Ressourcen, Beratung, Workshops: Die Stadt Hamburg unterstützt Hamburger Schulen in schwieriger sozialer Lage. Programmleiterin Julia Vaccaro gibt Einblicke.

Frau Vaccaro, in Hamburg leiten Sie das Programm „23+ Starke Schulen“, das 20 Grundschulen, 17 Stadtteilschulen sowie drei Gymnasien in schwieriger sozialer Lage unter die Arme greift. Welche besondere Unterstützung erfahren diese Schulen durch die Teilnahme?

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Julia Vaccaro: Die Schulen bekommen ein umfangreiches Maßnahmenpaket. Darin gibt es zunächst ein passgenaues Beratungs- und Qualifizierungsangebot durch das Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung (LI). Neben der schulindividuellen Begleitung und Fortbildung bietet das Landesinstitut unter anderem auch spezielle Seminare für Leitungsgruppen, in denen sie ihre eigene Arbeit an der Schule reflektieren und verbessern können. Auch die Verzahnung mit wissenschaftlich evaluierten, fachdidaktischen Programmen zur Stärkung der Basiskompetenzen ist Teil von „23+ Starke Schulen”. Wichtig ist auch, dass die Schulen eng im Netzwerk zusammenarbeiten. Niemand ist auf sich allein gestellt. Nicht zuletzt fördern wir mit zusätzlichen Personalmitteln das Entwicklungspotenzial. So erhält jede Grundschule eine Dreiviertel-Lehrkräftestelle zusätzlich. Bei den größeren weiterführenden Schulen können es bis zu zwei volle Stellen sein. Diese personellen Ressourcen dienen insbesondere der Verstärkung der multiprofessionellen Teams. 

Was ist mit allen anderen Schulen in herausfordernder sozialer Lage, die ebenfalls einen hohen Unterstützungsbedarf haben?

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Vaccaro: Jenseits von „23+ Starke Schulen” hat Hamburg mit der Ressourcenzuweisung nach dem Sozialindex (Anm. d. Red.: Auf einer Skala von 1 bis 6 steht die 1 für Schulen, die vor allem Kinder aus ungünstigeren sozioökonomischen Verhältnissen beschulen.) eine lange Tradition darin, Ungleiches ungleich zu behandeln. Denn in unserer Stadt gibt es viele weitere Schulen, die mehr Unterstützung brauchen. So richtet sich nicht nur die Klassengröße nach dem Wert – in den Grundschulen mit der Einordnung 1 und 2 sind es nicht mehr als 19 Schülerinnen und Schüler, in anderen Klassen 23. Auch die finanziellen Mittel für die Sprachförderung und die Ganztagsausstattung sowie die Mittel und die personellen Ressourcen für Inklusionsarbeit oder das Schulbüro orientieren sich an dem Index. Hamburg reagiert mit dieser Steuerung auf den Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Kompetenzerwerb und richtet wichtige Rahmenbedingungen von Schule an den Bedarfen der Schülerschaft aus. 

„So richtet sich nicht nur die Klassengröße nach dem Wert – in den Grundschulen mit der Einordnung 1 und 2 sind es nicht mehr als 19 Schülerinnen und Schüler, in anderen Klassen 23.“

Welche positiven Effekte beobachten Sie?

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Vaccaro: Während der Sozialindex eine bedarfsgerechtere Grundausstattung ermöglicht, fokussiert „23+ Starke Schulen” auf die Schul- und Unterrichtsentwicklung, und zwar im Sinne der Schülerschaft. Das Programm wird derzeit von Kathrin Racherbäumer von der Universität Siegen evaluiert. Deutlich wird dabei, dass sich Schulleitungen und Lehrkräfte in ihrem professionellen Handeln und in ihrer Selbstwirksamkeit gestärkt fühlen. Lernkonzepte entstehen, in denen Schülerinnen und Schüler motiviert und erfolgreich arbeiten. Dies sehen wir auch an Daten zum Beispiel zu den Kompetenzzuwächsen im Lesen. Und wir erleben Schulen mit einer Schulkultur, die allen Talenten Raum gibt und Kinder und Jugendliche stark macht. 

Foto: © Ruth Frobeen

Julia Vaccaro leitet in der Hamburger Behörde für Schule und Berufsbildung das Programm „23+ Starke Schulen“. Seit 2008 hat sie in der Schulbehörde unterschiedliche Vorhaben wie etwa den Ausbau der ganztägigen Bildung begleitet.

Über das Programm „23+ Starke Schulen“

„23+ Starke Schulen“ ist ein 2013 gegründetes, breit aufgestelltes Programm zur Unterstützung der Schul- und Unterrichtsentwicklung an 40 Hamburger Schulen im Brennpunkt. Die Grundvoraussetzung, um bei „23+ Starke Schulen” mitmachen zu können, ist der Hamburger Sozialindex, der die Belastungssituation von Schulen anhand unterschiedlicher soziokultureller Merkmale der Schülerschaft darstellt. Mit dem Programm verfolgt die Stadt Hamburg das Ziel, die beteiligten Schulen darin zu unterstützen, den Bildungserfolg und die Teilhabe ihrer Schülerinnen und Schüler sowie deren fachliche und überfachliche Kompetenzen zu verbessern. Es bietet den Schulen Handlungsfreiräume und Unterstützungsmaßnahmen, an denen sie sich passgenau bedienen können und die ständig weiterentwickelt werden. Das Ressourcenvolumen von „23+ Starke Schulen” beträgt derzeit circa 60 Lehrerstellen. Hier entlang zum Film!

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