Frau Seydel, im Rahmen der Hausaufgabenwerkstatt werden an Ihrer Schule Kinder betreut, die ihre Eltern mitbringen. Welche Idee liegt dem zugrunde?
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„Wenn die Eltern ein Vorbild sind, stärkt das die Motivation der Kinder genauso wie das Selbstwertgefühl der Eltern.“
Kristin Seydel, Koordinatorin des Familienschulzentrums an der 117. Grundschule „Ludwig Reichenbach“ in Dresden
Wie organisieren Sie die Hausaufgabenwerkstatt?
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Seydel: Die wichtigste Info vorab: Das Projekt lebt vom Ehrenamt! Schülerinnen und Schüler ab 16 Jahren, berufstätige Erwachsene, Seniorinnen und Senioren – sie alle machen mit. Wir suchen und finden sie über Onlineanzeigen. Um den Anreiz zu erhöhen, bekommen die Ehrenamtlichen eine kleine Aufwandsentschädigung. Nach einem persönlichen Gespräch mit mir und einer Schnupperstunde kann der Einsatz an unserer Schule dann starten. Bei den Familien wiederum ist die Mund-zu-Mund-Propaganda die wichtigste Art der Werbung. Insbesondere jene Mütter, die gute Erfahrungen mit dem Projekt gemacht haben, tragen dies innerhalb ihrer eigenen Sprachcommunity weiter. Zurzeit sind ausschließlich Familien mit Migrationshintergrund angemeldet.
Und nun zum Ablauf: Das FSZ hat einen eigenen Raum im Keller der Schule. Dort treffen sich jeden Mittwoch und Donnerstag die Ehrenamtlichen, die Familien und Helferinnen und Helfer. Daneben stehen uns der Speisesaal und die Bücherei zur Verfügung, alle befinden sich auf derselben Etage. Die Kernzeit liegt zwischen 15.30 Uhr und 17 Uhr. Die Kinder bringen aber nicht immer Hausaufgaben mit, weswegen der Projektname ein wenig irreführend ist und geändert werden soll. Denn grundsätzlich haben die Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, ihre Hausaufgaben im Hort zu erledigen. Meist geht es also um Aufgaben, die die Kinder nicht geschafft haben. Oder sie möchten gezielt für einen Test lernen oder anhand von Zusatzaufgaben ihr Wissen festigen. Dabei stehen Deutsch und Sachkunde im Fokus, seltener Mathe, denn da können viele Eltern trotz geringer Deutschkenntnisse auch zu Hause helfen.
Die Treffen enden, wenn entweder alle Aufgaben erledigt sind, die Zeit vorbei ist oder die Kinder zu unkonzentriert werden. Man darf schließlich nicht vergessen, dass der Schultag für sie schon sehr früh angefangen hat. Deshalb ist es inzwischen ein Ritual, dass die letzte halbe Stunde zum gemeinsamen Spielen genutzt wird.
Das Angebot wird seitens des Familienschulzentrums gestellt. Das hat ja vornehmlich zum Ziel, Eltern stärker als Bildungspartnerinnen und -partner einzubeziehen. Wie gut gelingt das in diesem Rahmen?
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Seydel: Wenn man sich die Entwicklung anschaut, sehr gut. Gestartet sind wir im Januar 2025 mit drei Ehrenamtlichen und sechs Kindern samt Eltern. Aktuell treffen sich insgesamt zehn Ehrenamtliche mit 17 Kindern und deren Eltern. Wir haben sogar eine Warteliste. Grundsätzlich geben uns die Eltern positives Feedback. Sie gehen nach jeder Einheit mit einem „Plan“ nach Hause, wissen, was sie eventuell noch mit ihren Kindern wiederholen können. Insgesamt können sie sich besser mit ihren Kindern über den Schulstoff austauschen, mitreden. Sie sind also Partnerinnen oder Partner, denn sie haben gemeinsam etwas gelernt. Das verändert viel zum Positiven.
Trotz dieser Erfolge gibt es natürlich weiterhin Eltern, die wir über dieses Projekt nicht erreichen. Hier gibt es seitens FSZ und Schulsozialarbeit das Angebot, bei der Suche nach externen Nachhilfeagenturen und bei Bedarf auch beim Beantragen des Bildungs- und Teilhabepakets zu unterstützen.
Kristin Seydel ist Koordinatorin des Familienschulzentrums (in Sachsen werden Familiengrundschulzentren (FGZ) als Familienschulzentren (FSZ) bezeichnet, weil auch Förderschulen inkludiert sind) an der 117. Grundschule „Ludwig Reichenbach“ in Dresden. Sie verwaltet die Anmeldungen zur Hausaufgabenwerkstatt sowie die Vermittlung zwischen teilnehmenden Familien und Ehrenamtlichen. Außerdem kommt sie selbst als „Springerin“ zum Einsatz.