Fit für den Schulstart

„Wir er­kennen als Schule früh, welche Förder­bedarfe einzelne Kinder haben“

Brücken­lehrkräfte sollen Kindern den Über­gang von der Kita zur Schule er­leichtern. Anje Dernedde ist eine von ihnen. Hier erzählt sie, wo sie ansetzen kann.

Frau Dernedde, Sie arbeiten als Brückenlehrkraft an einer Lübecker Grundschule. Wie würden Sie Ihre Rolle beschreiben?

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Anje Dernedde: Brückenlehrkräfte sind Sonderpädago­ginnen und -pä­da­gogen an Schulen mit der zusätzlichen Aufgabe, einen ge­lingenden Übergang von der Kita zur Schule zu ermöglichen. Denn die Kinder starten mit sehr unterschiedlichen Fertigkeiten ins Schulleben. In meiner Funktion als Sonderpädagogin an der Elisa­beth Haseloff Grundschule fallen zwei Wochenstunden meiner Arbeits­zeit für meine Tätigkeit als Brückenlehrkraft an.

Ich habe unterschiedliche Aufgaben: Zum einen führe ich jedes Jahr im Rahmen der Schulanmeldung das Screen­ing der Vor­schulkinder durch. Dabei schaue ich mir jedes Kind für 15 bis 30 Minuten an und ordne unter anderem ihre Vorläufer­fähigkeiten in verschiedenen Bereichen ein. Welche Zahl- und Mengen­vor­stellungen haben sie? Wie groß ist ihr Wortschatz? Oder können sie schon ihren eigenen Namen schreiben? So erkennen wir als Schule früh, welche Förder­bedarfe einzelne Kinder haben. Außerdem bin ich etwa einmal im Monat in umliegenden Kitas und beobachte dort die Entwicklung der Vor­schul­kinder. Ich kann den Erzieher­innen und Erziehern Tipps geben, wie sie die Jungen und Mädchen vielleicht noch besser auf den Schulstart vorbereiten können.

„Natürlich ist es meine Aufgabe, die Eltern mit ins Boot zu holen.“

Und wenn wir ins Detail gehen? Welche Hebel haben Sie, um den Kindern in der Schule den nötigen Unterstützungs­bedarf zukommen zu lassen?

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Dernedde: Wenn ich merke, dass Kinder gezielte Förder­ung brau­chen, tausche ich mich diesbezüglich mit dem Schul­team aus. In wenigen Fällen erstelle ich ein Gutach­ten und vermer­ke dort, in welchem Bereich Unter­stütz­ung ge­braucht wird und welche perso­nellen Ressourcen dafür nötig sind. Mal sind Förderschullehr­kräfte gefragt, mal Einzel­integrations­helfer­innen oder -helfer oder anderes Fachpersonal. Bei Anzeichen von Autismus, ADHS oder bei emotionalen und sozialen Auffällig­keiten rate ich im Einzel­fall auch die Überweisung an eine Kinder­arztpraxis an. Im Schnitt müssen wir von 30 Kindern etwa zehn weiter beobachten und ihre Entwicklung intensiv begleiten.

Und wie gut gelingt die Einbindung der Eltern bei alledem?

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Dernedde: Natürlich ist es meine Aufgabe, die Eltern ins Boot zu holen. Doch nicht immer sind es große Themen, oft rate ich den Müttern und Vätern, zu Hause mit den Kindern zu üben. Das kann gemeinsames Zählen von alltäg­lichen Dingen sein oder das Üben des Schreibens des eigenen Namens. Ich mache hier wirklich gute Erfahrungen: Die Eltern sind überwie­gend dankbar für meine Ratschläge und die Aufmerksamkeit, die ich ihren Kindern schenke. Denn viele haben großen Re­spekt vor Schulthemen und auch Be­rührungs­ängste, mit den Pädagoginnen und Pädagogen in den Austausch zu gehen, um Hilfe zu bekommen. Die Kinder sind eigent­lich alle neugierig auf das Schulleben. Mit unseren Maßnah­men und der Eltern­arbeit ermöglichen wir ihnen den bestmöglichen Start.

Foto: privat

Anje Dernedde ist Sonder­pädagogin und arbeitet seit einem Jahr am Förder­zentrum in Schleswig-Holstein. Sie wurde an die Elisabeth Haseloff Grund­schule in Lübeck abgeordnet und ist dort als Brücken­lehrkraft tätig sowie für Inklusionsthemen zuständig.

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