Wie erleben Schulleitungen in Deutschland ihre Arbeit? Wie nutzen sie Daten für die Schulentwicklung? Wo fühlen sie sich unterstützt und welche Verbesserungsvorschläge haben sie? Diesen und weiteren Fragen ist die Studie „Schulleitungsmonitor Deutschland“ nachgegangen. An der repräsentativen Befragung haben im Herbst 2025 insgesamt 1.357 Schulleitungen aller allgemeinbildenden Schulformen aus sämtlichen Bundesländern teilgenommen. Die Studie wurde von der Wübben Stiftung Bildung bei der Pädagogischen Hochschule der Fachhochschule Nordwestschweiz in Auftrag gegeben. Durchgeführt wurde sie in Kooperation mit der Leuphana Universität Lüneburg, der Universität Konstanz und der Pädagogischen Hochschule Thurgau. Sie knüpft an eine Befragungsreihe an, die bereits 2019 von einem Team von Wissenschaftlern mehrerer Universitäten initiiert wurde.
Ein besonderer Fokus dieser fünften, bundesweiten Befragung liegt auf dem datengestützten Arbeiten. Weitere Themen sind unter anderem die Berufszufriedenheit, die Zusammenarbeit mit Kollegium, Schulaufsicht, Schulträger und Ministerium sowie Arbeitszeit und Belastungsempfinden der Schulleitungen. In der Auswertung wurden außerdem die Angaben von Schulleitungen an Schulen in herausfordernder Lage systematisch mit denen von Leitungen anderer Schulen verglichen. Nachfolgend die zentralen Ergebnisse im Überblick:
Datengestütztes Arbeiten ist vielerorts etabliert
Datennutzung gehört für viele Schulleitungen inzwischen zum beruflichen Alltag. 77,6 Prozent der Befragten geben an, sich intensiv mit Daten ihrer Schule auseinanderzusetzen. Drei Viertel nutzen Daten als Grundlage für Schulentwicklungsmaßnahmen.
Gleichzeitig zeigt die Studie: An einem Teil der Schulen ist datengestütztes Arbeiten noch nicht fest verankert. Rund ein Viertel der Schulleitungen nutzt Daten nur eingeschränkt für Schulentwicklung.
Die eigene Datenkompetenz schätzen viele Schulleitungen als mindestens mittelmäßig ein. Besonders herausfordernd scheint es zu sein, aus Daten konkrete Veränderungen für die eigene Schule abzuleiten.
Viel Vertrauen im Kollegium, weniger Unterstützung von außen
Innerhalb der Schule erleben Schulleitungen viel Rückhalt. 90,2 Prozent sind mit der Unterstützung durch das Kollegium (eher) zufrieden. Auch das Vertrauen in die Mitarbeitenden ist hoch. Gut 88 Prozent geben an, sich darauf verlassen zu können, dass die Mitarbeitenden sich für die Zukunft der Schule einsetzen und ihre Zusagen stets einhalten.
Deutlich kritischer bewerten Schulleitungen die Unterstützung durch übergeordnete Institutionen. Mit der Unterstützung durch die Schulaufsicht sind 62,5 Prozent (eher) zufrieden, mit der des Schulträgers 53,6 Prozent. Besonders schlecht schneidet das Ministerium beziehungsweise die Schulbehörde ab, mit deren Unterstützung 80,1 Prozent der Befragten (eher) unzufrieden sind.
Lange Wochenarbeitszeit, hohe Unterrichtsverpflichtung
Die Arbeitszeit in einer durchschnittlichen Schulwoche liegt laut den Befragten bei 52 Stunden. 43,1 Prozent der Schulleitungen arbeiten mehr als 50 Stunden pro Schulwoche.
Dazu kommt, dass fast alle Schulleitungen weiterhin selbst unterrichten. 96,4 Prozent geben an, mindestens eine Stunde pro Woche Unterricht zu halten, ein Drittel steht wöchentlich sechs bis zehn Stunden vor der Klasse. 12,8 Prozent unterrichten wöchentlich 16 bis 22 Stunden.
Verwaltung nimmt den größten Teil der Arbeitszeit ein
Der Arbeitsalltag von Schulleitungen ist durch viele unterschiedliche Aufgaben geprägt wie Verwaltungstätigkeiten, Kommunikation, Personalplanung, Gespräche mit Eltern, Umgang mit Schülerinnen und Schülern sowie Schulentwicklung.
Der größte Anteil der Arbeitszeit entfällt auf verwaltungsbezogene Tätigkeiten. Insgesamt machen sie 43,6 Prozent der Arbeitszeit aus. Reine Verwaltungstätigkeiten beanspruchen davon durchschnittlich 21,4 Prozent. Der Umgang und die Kommunikation mit Schülerinnen und Schülern, Eltern und weiteren Akteuren nimmt 35,6 Prozent in Anspruch. Für entwicklungsbezogene Tätigkeiten wie Schulentwicklung, Qualitätsmanagement oder die eigene Fort- und Weiterbildung bleibt mit insgesamt 18,2 Prozent deutlich weniger Zeit übrig.
Hohe Zufriedenheit trotz hoher Belastung
Trotz hoher Anforderungen berichten viele Schulleitungen von großer Identifikation mit ihrer Arbeit. 91,2 Prozent sind (eher) froh, an ihrer aktuellen Schule tätig zu sein. 81,6 Prozent geben (eher) an, Freude an ihrer Arbeit zu haben.
Gleichzeitig ist die Belastung hoch: Fast neun von zehn Schulleitungen (86 Prozent) sagen, sie hätten (eher) zu wenig Zeit, um ihre täglichen Aufgaben zu erfüllen. 85,2 Prozent müssen nach eigenen Angaben Arbeiten erledigen, die ihnen unsinnig erscheinen. Knapp die Hälfte gibt an, Aufgaben trotz vollem Einsatz nur unzureichend erfüllen zu können.
Jede fünfte Schulleitung zeigt Anzeichen von Burnout-Symptomen
Die Befragung macht auch psychische Belastungen sichtbar. Etwa ein Fünftel der Schulleitungen berichtet von einzelnen Burnout-Symptomen. 19,6 Prozent haben (eher) Schwierigkeiten, Begeisterung für ihre Arbeit zu finden. 23,6 Prozent geben Konzentrationsschwierigkeiten an und 15,6 Prozent stimmen (eher) zu, bei der Arbeit oft ungewollt zu überreagieren. 45,5 Prozent fühlen sich bei der Arbeit (eher) geistig erschöpft.
Höhere Wochenarbeitszeit von Schulleitungen an Schulen in herausfordernder Lage
Jede fünfte Schule in der Stichprobe wird als Schule in herausfordernder Lage eingeordnet. Schulleitungen an diesen Schulen arbeiten im Durchschnitt 2,1 Stunden mehr pro Woche als Kolleginnen und Kollegen an anderen Schulen. Sie zeigen auch eine etwas höhere Arbeitsbelastung. Ihre durchschnittliche Unterrichtsverpflichtung beträgt im Schnitt 7,5 Stunden pro Woche, während die von Leitungen an Schulen in anderen Lagen 10,1 Stunden pro Woche ausmacht.
Intensivere Kooperationen an Schulen in herausfordernder Lage
Die Zusammenarbeit von Schulen mit dem Jugendamt und der Polizei ist in herausfordernder Lage deutlich enger als an Schulen in anderen Lagen. Auch die Kooperation mit anderen Schulen, mit Wohlfahrtsverbänden, dem Gesundheitsamt und weiteren zivilgesellschaftlichen Akteuren ist an Schulen in herausfordernder Lage aus Sicht der Schulleitungen etwas intensiver.
Unterschiede im Vertrauen und in der Unterstützung an Schulen in herausfordernder Lage
Schulleitungen an Schulen in herausfordernder Lage berichten von einem geringeren Vertrauen und nehmen weniger Unterstützung durch den Schulträger sowie durch das Ministerium beziehungsweise die Schulbehörde wahr. In einzelnen Aspekten bewerten Schulleitungen von Schulen in herausfordernder Lage die Rolle der Schulaufsicht für die Schul- und Unterrichtsentwicklung dagegen etwas positiver als ihre Kolleginnen und Kollegen an anderen Schulen.
Was Schulleitungen sich wünschen
Auf die Frage, was das Amt attraktiver machen würde, nennen 90 Prozent der insgesamt befragten Schulleitungen vor allem fünf Punkte:
- 39 Prozent wünschen sich weniger Unterrichtsverpflichtung und keine Klassenleitung.
- 35 Prozent fordern weniger Bürokratie und mehr Entlastung bei Verwaltungstätigkeiten.
- 34 Prozent wünschen sich mehr Lehrkräfte und pädagogisches Personal.
- 25 Prozent nennen mehr Unterstützung durch nicht-pädagogisches Personal.
- 22 Prozent sprechen sich für einen größeren Entscheidungsspielraum für Schule und Schulleitung aus.
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