Datengestützte Qualitätsentwicklung

Bildungsqualität messbar machen

Daten sind wichtig: Von ihnen profitieren Unterricht, Förderung sowie Elternarbeit. Tipps für Schulen im Brennpunkt aus dem aktuellen SWK-Gutachten.

Wie können Schulen Kinder und Jugend­liche bestmöglich fördern? Dieser Frage­stellung begegnete die Kultusminister­konferenz im Jahr 2006 mit der Ver­abschiedung der Gesamt­strategie des Bildungsmonitorings. Bund und Länder implementierten Instrumente zur Erfassung und Aufbereitung von Informationen, so etwa Lernstands­erhebungen, Schüler­befragungen, Unterrichtsbeobachtungen sowie externe Evaluationen. Diese sollen Pädagoginnen und Päda­gogen dabei unterstützen, individuelle Förderbedarfe zu erkennen und ihren Unterricht entsprechend zu gestalten. Basis all dessen sind Daten.

Die Ständige Wissenschaftliche Kommission (SWK) hat im März das Gutachten „Daten­gestützte Entwicklung und Steuerung in Schulen und früh­kindlicher Bildung“ erstellt. Es benennt unter anderem, welche Daten zentral sind und welche Voraus­setzungen es braucht, damit ihre Nutzung tatsächlich zu Ver­besserungen in der hiesigen Bildungs­landschaft führt.

Je größer die Herausforderungen in Kommunen, Stadtteilen und Kitas sowie Schulen, desto größer ist der Nutzen von Daten. Denn sie helfen dabei, die knappen Ressourcen gezielt dort einzusetzen, wo sie die Lernchancen am stärksten ver­bessern. Folgende ausgewählte Em­pfehlungen aus dem SWK-Gutachten sind insbesondere für Schulen im Brennpunkt relevant:

GUT UNTERRICHTEN UND FÖRDERN

Welche Lernvoraussetzungen bringen die Kinder in meiner Klasse mit? Was hilft ihnen beim Lernen? Welche Bedingungen fördern ihren Lern­prozess? Welche fachlichen und über­fachlichen Fähigkeiten zeigen die Kinder und Jugendlichen – von Sozial­kompetenz bis zur Moti­vation? Und wie wohl fühlen sie sich in der Schule und in ihrer Klasse? Antworten auf diese Fragen können gut aufbereitete Daten liefern – zum Beispiel aus zentralen Lernstands­erhebungen wie VERA, Diagnose­instrumenten wie quop oder informellen Ver­fahren wie Beobach­tungs­­rastern. Sie liefern den Lehr­kräften eine solide Grundlage, um situativ fundierte Förderentschei­dungen zu treffen und den eigenen Unterricht langfristig weiterzu­entwickeln. Lehrerinnen und Lehrer können ebenso Feedback von Schüler­innen und Schülern sowie Kolleginnen und Kollegen beziehungs­weise Schulleitungen nutzen, um ihren Unterricht kontinuierlich anzupassen.

Tipp: Eine Kultur, die den offenen Austausch über die erhobenen Daten und konstruktives Feed­back er­möglicht, wirkt sich po­sitiv auf die Arbeit mit Daten aus. So stellen Daten keine Bedrohung für das Schulteam dar, sondern eine Chance für positive Ver­änderungen.

Ein Ziel der Datennutzung ist, alle Kinder im Blick zu behalten und ein Frühwarnsystem zu ent­wickeln für diejenigen, die die zentralen Kom­petenzziele nicht erreichen und somit besonderen Unterstützungs­bedarf haben – ohne diese Schülerinnen und Schüler zu stigmatisieren. Dabei geht es nicht nur um die Fach­inhalte, sondern auch um über­fachliche Kom­petenzen wie Selbstregulation und Aspekte des schulbezogenen Wohl­befindens. Denn auch diese sind wichtige Voraussetzungen für ge­sell­schaftliche Teilhabe und Bildungs­gerechtigkeit.

Tipp: Jedes Kind soll die best­mögliche Unter­stützung erhalten. Wichtig ist deshalb, dass Lehr­kräfte individuelle Lern- und Entwicklungsdaten nicht nur dokumentieren, sondern aus ihnen schnell geeignete Förder­maßnahmen ableiten und um­setzen. Das SWK-Gutachten verweist dabei auf bewährte Förderkonzepte und Materialien, zum Beispiel BiSS-Konzepte zur Förderung sprachlicher und QuaMath-Materialien für mathematische Kompetenzen.

Durch den Einsatz von Daten kann sich die Zusammenarbeit nicht nur im Kollegium, sondern auch mit weiteren Fachkräften, Schülerinnen und Schü­lern sowie Eltern verbessern. Multi­profes­sionelle Teams können mit ihrer Hilfe zum Beispiel Frühwarn­systeme für schulabsente Kinder ausarbeiten. Gut aufbereitete Daten tragen zudem dazu bei, dass Lehrkräfte und Eltern eine geteilte Sicht auf den Lernstand oder Lernprozess ent­wickeln und sie somit das Kind ganzheitlich unter­stützen können. Kinder und Ju­gend­liche wiederum kann es motivieren, wenn sie die daten­basierten Lern­entwick­lungs­gespräche aktiv mitgestalten und ihre Stärken und Entwicklungs­bedarfe eigenständig reflek­tieren.

Tipp: Es empfiehlt sich, Zeit für den systematischen Austausch über Daten zu schaffen, etwa in Form von Team­sitzungen oder Fallbesprechungen.

Wo stehen wir? Und wohin wollen wir? Diese Fragen bilden den Ausgangs­punkt für Schulent­wicklungs­­pläne. Damit Schulen sich passende Ziele setzen, Prioritäten festlegen und entsprechende Maß­nahmen ergreifen können, sollte der Prozess daten­gestützt erfolgen. Anhand von vorher defi­nierten Indikatoren prüfen Schulen in der Folge, wie die Maßnahmen wirken und ob die Ziele erreicht wur­den. Dieser Prozess wiederholt sich bestenfalls zyklisch, sodass Schulen ihre Entwicklungspläne auf Basis der Daten fortwährend anpassen können.

Eine notwendige Voraussetzung für die Arbeit der Schulen ist, dass die Politik eine nutzer­freundliche und daten­schutz­konforme Infrastruktur schafft. Dazu gehören zum Beispiel Dash­boards, die die benötigten Daten verknüpfen, verständlich auf­bereiten und visualisieren.

Tipp: Schulen können Netzwerke mit anderen Schulen bilden, um zum Beispiel Ziele und Maß­nahmen ab­zustimmen sowie Qualifizierungs- und Coaching­angebote zu implementieren.

Um in heterogenen Gruppen gut unterrichten zu können, sind Lehrkräfte nicht nur auf ver­lässliche Daten und geeignete Fördermaterialien an­gewiesen. Vielmehr brauchen sie zusätzlich die Möglichkeit, zu lernen, rele­vante Daten zu erkennen und zu inter­pretieren sowie daraus geeignete Maßnahmen ab­zuleiten. Dafür sollten die Lehrkräfte niedrig­schwellige Unterstützung in Form von Fach­beratungen, Fortbildungen, Angeboten zur Schul- und Unterrichtsentwicklung sowie Informations­materialien bekommen. Damit Möglichkeiten wie diese auch ausgeschöpft werden können, braucht es geeignete strukturelle Rahmen­bedingungen – so etwa Hilfe bei der Organisation von Quali­fizierungs­­maßnahmen und ausreichend Zeitfenster im Schulalltag.

Tipp: Die datengestützte Schul­entwicklung profitiert enorm, wenn Schulen Fachberatungs- und Fort­bildungsangebote ausschöpfen. Wenn sie überdies etwa Datenteams bilden und genügend Zeit bereit­stellen, damit die Lehrkräfte sich mit der Daten­erhebung und -auswertung be­schäftigen können, wird die Arbeit mit Daten zum Erfolg.

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